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«Ich kann bei der SIBU Menschen in der Ausbildung und am Arbeitsplatz begleiten.»

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Martin McCombie

Martin McCombie schult SIBU-Klienten an einem neuen Arbeitsplatz, nachdem sie in der Grundschulung gelernt haben, ihr visuelles Handicap auszugleichen. Zudem unterrichtet er sehbehinderte KV-Schüler im Fach IKA (Information, Kommunikation, Administration). Wir durften ihn bei letzterem begleiten.

Zu seiner Aufgabe, bei der SIBU sehbehinderte Menschen während der Ausbildung oder Reintegration an einen Arbeitsplatz zu schulen und zu begleiten, kam Martin McCombie eher zufällig: «Ich suchte eine Arbeit, bei der ich intensiver mit Menschen arbeiten kann. Ich wollte weg vom Grossunternehmen. Deshalb suchte ich einen Job als IT-Trainer bei einer kleineren Firma. Ich bewarb mich auf drei Stellen und konnte mich vorstellen. Die SIBU war mir eindeutig am sympathischsten».

Gespür für Menschen

Der eLearning-Spezialist und ehemalige Tauchlehrer mit Erfahrung in der  Erwachsenenbildung hat ein gutes Gespür für Menschen. Die Klienten mögen ihn. Er arbeitet sehr fokussiert mit ihnen und behält gleichzeitig eine gewisse Lockerheit bei, die das Lernklima begünstigt.

Bahnhof Zürich Enge: Sehr oft begleitet Martin McCombie seine Klienten auf dem letzten Wegstück zur Ausbildungsstätte.

Heute ist er mit Josephine Hayley, seiner Klientin, verabredet. Er unterrichtet sie im Fach IKA. Sehbehinderte Schüler sind mit der Vermittlung des Lernstoffs rasch überfordert, weil sie den Anweisungen der Lehrperson visuell nicht folgen können. Zudem erfolgt der übliche Unterricht in diesem komplexen Fach in Computerräumen, bei dem die Schüler mit der Maus arbeiten, was nicht sehbehindertengerecht ist. Sehbehinderte und Blinde können nicht mit einer Maus arbeiten, da hierfür die Sehkraft von Nöten ist.

Alternativer Zugang für die PC-Arbeit
Sehbehinderte organisieren sich komplett anders innerhalb eines Dokumentes. Was der Sehende mit einem Blick erfasst, z. B. wo Tabellen sind oder wo die Überschriften liegen, das muss sich die Person mit visuellem Handicap erstmal erarbeiten. Wenn sie den PC bedient, braucht es für jeden einzelnen Arbeitsschritt einen Tastaturbefehl. Diese Tastenkombinationen vermittelt der IKA-Lehrer.

Die Bedienung eines Computers ist für Menschen mit Sehverlust viel komplexer. Sie ist darauf ausgerichtet, das visuelle Handicap zu kompensieren. Das heisst, es braucht eine Bedienung des PCs, die auch ohne Sehkraft funktioniert.  Sehbehindertengerechtes Arbeiten erfolgt mit Hilfe von Tastenkombinationen, Vergrösserungsprogrammen oder auditiver Informationsverarbeitung; dies kann nicht in den normalen Unterricht integriert werden.

Martin McCombie fungiert in seiner Rolle als Lehrer oft als eine Art Übersetzer. Wenn es in der Aufgabenstellung eine Tabelle mit roten Linien hat, die durch einen dickeren Randbalken begrenzt ist, dann versucht er, der Klientin dies als Bild vor dem geistigen Auge aufzuzeichnen. Auch während dem Lösen einer Aufgabe macht er für die Schülerin nachvollziehbar, was sich nach dem Arbeitsschritt im Dokument verändert hat. Zudem nimmt er physische Objekte im Unterricht zu Hilfe. Mit Wasserflaschen zeigt er an, wo im Dokument ein Bullet Point ist und mit anderen Objekten markiert er die Textblöcke. Danach nimmt er die Hand der Schülerin und lässt sie fühlen, wo welche Texteinzüge sind. Dies vermittelt ihr ein Gefühl, wie das Dokument letztlich strukturiert sein wird.

Beim 1:1 Unterricht für sehbehinderte Schüler geht es darum, den Nachteil, den sie bei der Informationsaufnahme und beim Festigen des Stoffes durch Übungen haben, möglichst auszugleichen.

Josephine Hayley spricht nur positiv über den IKA-Unterricht: «Wenn ich Fragen habe, kann ich diese unmittelbar stellen. Durch die 1:1 Betreuung profitiere ich sehr. Der Unterricht ist sehr lebendig und zielgerichtet. Meine Lehrperson hilft mir auch beim Aufschreiben von Notizen. Für mich ist dieser Unterricht eine äusserst positive Erfahrung».

Wertvolle Erkenntnisse weitergeben

Bei seiner Arbeit entdeckt Martin recht oft Situationen, in denen die Anwender von Hilfssoftware – sei es Jaws oder Zoomtext – anstehen und nicht mehr weiterkommen. Frau Hayley meint dazu: «Letzte Woche hat das Navigieren mit Tabulator noch funktioniert, doch diese Woche ist es aufgrund eines Updates von Microsoft nicht mehr möglich, sich mit dem Tabulator innerhalb einer Menu-Auswahl vorwärts zu bewegen».

Wenn solch ein Fall eintritt, formuliert Martin McCombie die Problemstellung in einem Mail an die IT-Fachgruppe. Durch den Informationsaustausch mit den anderen IT-Experten finden sich letztlich meist Lösungen für solche Benachteiligungen der sehbehinderten Schüler.

Generell ist der fachliche Austausch unter den IT-Spezialisten sehr eng. In wöchentlichen Teammeetings wird über Erkenntnisse berichtet und in einer weiteren Sitzung werden konkrete Fallbeispiele von Klienten besprochen. Da einige Mitarbeitende laufend in der ganzen Deutschschweiz unterwegs sind, um direkt bei den Klienten zu unterstützen, sie zu schulen oder zu begleiten, sind diese Austausch-Meetings besonders wertvoll. Den Erfahrungsschatz im Team zu teilen, führt zu einem breiteren Verständnis für die Arbeit der anderen und erhöht den Wissensstand aller Beteiligten.
 

Martin Mc Combie fasst zusammen: «Bei der SIBU habe ich gefunden, was ich gesucht hatte. Ich kann Menschen begleiten, damit sie ihre Ausbildung erfolgreich abschliessen oder erneut an ihrem Arbeitsplatz reintegriert werden können. Das macht mir grosse Freude».